Warum wir hiergeblieben sind

Veröffentlicht am 13 Mai 2025 von Wolfgang Steck in Aus dem Allgäu · 2 Min. Lesezeit

Das hier ist kein Beitrag über Geld. Ich schreibe ihn trotzdem, weil die Frage, wo man wohnt, alle anderen Rechnungen bestimmt, die ich hier sonst aufmache.

Die beiden Gelegenheiten

2011 hätte ich eine Stelle in Ulm haben können, 2019 eine in Augsburg. Beide besser bezahlt, beide mit mehr Perspektive, und beide hätten bedeutet, dass wir das Haus verkaufen.

Wir haben beide Male lange gerechnet. Höheres Gehalt, aber auch höhere Mieten oder Kaufpreise. Am Ende lag der finanzielle Unterschied näher bei null, als man denkt — was den Vergleich erst richtig schwierig gemacht hat, weil die Zahlen dann nichts mehr entscheiden.

Was den Ausschlag gegeben hat

Ehrlich gesagt eine Kleinigkeit. Im Frühjahr 2019, mitten in der Entscheidung, bin ich abends nach der Arbeit den Weg hinter dem Haus hochgegangen, wie ungefähr tausendmal vorher. Es war der erste warme Abend des Jahres, unten lag noch Nebel und über dem Grat stand die Sonne.

Ich habe an dem Abend gemerkt, dass ich diesen Weg nicht als Landschaft sehe, sondern als etwas, das mir gehört, obwohl es mir nicht gehört. Das ist kein Argument, das man in eine Tabelle schreiben kann.

Was der Preis dafür ist

Ich will es nicht romantisieren. Der Arbeitsmarkt hier ist eng. Wer in meinem Bereich wechseln will, hat drei Arbeitgeber in vertretbarer Entfernung, und die kennen sich alle. Das Gehalt liegt spürbar unter dem, was in Ulm oder München üblich wäre.

Die Immobilienpreise sind dafür alles andere als günstig — der Tourismus hält sie oben. Wer hier heute kaufen will und nicht geerbt hat, hat es schwer. Wir haben 2011 gekauft, und ehrlicherweise ist das Timing der größte Einzelfaktor unserer finanziellen Situation. Das war kein Verdienst, das war Glück.

Was ich rückblickend sagen würde

Die Entscheidung, wo man wohnt, ist die teuerste, die man trifft, und sie wird am wenigsten durchgerechnet. Alles, was ich hier sonst aufschreibe — Stromtarife, Versicherungen, der Wocheneinkauf — bewegt sich im Bereich von ein paar hundert Euro im Jahr. Der Unterschied zwischen zwei Wohnorten liegt schnell bei einem Vielfachen davon.

Wir haben uns trotzdem gegen die Zahlen entschieden, zweimal. Ich bereue es nicht, aber ich behaupte auch nicht, dass es die vernünftige Wahl war.

Kommentare sind geschlossen.