Der Wochenmarkt in Immenstadt und was ich dort gelernt habe

Veröffentlicht am 26 August 2025 von Wolfgang Steck in Aus dem Allgäu · 2 Min. Lesezeit

Ich hatte den Wochenmarkt lange für etwas gehalten, das man macht, wenn man Zeit und Geld übrig hat. Seit gut einem Jahr gehen wir samstags hin, und die Rechnung sieht anders aus als gedacht.

Was teurer ist

Käse. Deutlich. Der Bergkäse vom Stand kostet ungefähr das Anderthalbfache dessen, was ein vergleichbarer Käse im Supermarkt kostet, und ist ein anderes Produkt — aber teurer bleibt teurer.

Fleisch ebenfalls, wobei der Abstand kleiner ist als beim Käse.

Was günstiger ist

Gemüse, wenn es Saison hat, und zwar erheblich. Zucchini im August, Kürbis im Oktober, Äpfel im Spätsommer. Der Preisunterschied entsteht nicht, weil der Marktstand billiger kalkuliert, sondern weil wirklich Saison ist — im Supermarkt liegt dann Ware aus drei Ländern nebeneinander und man greift zur gewohnten.

Der Punkt, den ich nicht erwartet hatte

Wir werfen deutlich weniger weg.

Das hat zwei Gründe. Erstens kauft man am Stand in der Menge, die man nennt — 400 Gramm Bohnen, nicht die 500-Gramm-Schale. Zweitens hält das Gemüse länger, weil es näher am Erntetag ist. Salat aus dem Supermarkt war bei uns nach drei Tagen matschig, der vom Markt hält eine Woche.

In meiner Kassenzettel-Auswertung waren weggeworfene Lebensmittel mit 9 bis 12 Euro pro Woche der zweitgrößte vermeidbare Posten. Der Markt hat davon geschätzt die Hälfte erledigt — mehr, als der Preisaufschlag beim Käse ausmacht.

Was ich falsch gemacht habe

Im ersten halben Jahr bin ich ohne Plan hingegangen und habe gekauft, was gut aussah. Das Ergebnis war ein voller Korb und die Frage, was man am Mittwoch daraus kocht.

Inzwischen gehe ich mit derselben Liste hin wie in den Supermarkt, nur offener: Wenn etwas nicht da ist oder etwas anderes gerade gut ist, wird getauscht. Das ist der Unterschied zwischen einem Einkauf und einem Bummel, und er entscheidet über die Summe unten auf dem Zettel.

Der Teil, der sich nicht rechnen lässt

Man redet mit Leuten. Die Frau am Gemüsestand weiß nach einem Jahr, dass wir keine Kohlrabi mögen, und ich weiß, dass ihre Tochter in Kempten studiert. In einem Ort dieser Größe ist das kein Nebeneffekt, sondern ein guter Teil des Grundes, warum wir hingehen.

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