Ich habe zwölf Jahre lang Strom vom selben Versorger bezogen und in dieser Zeit genau einmal etwas unterschrieben: den Vertrag, als wir 2013 eingezogen sind. Danach kam jedes Jahr im Februar ein Umschlag, ich habe die Zahl unten rechts angeschaut, kurz gebrummt und den Zettel abgeheftet.
2024 stand unten rechts eine Nachzahlung von 312 Euro. Das war der Moment, in dem ich den Ordner herausgeholt und die letzten fünf Abrechnungen nebeneinandergelegt habe.
Was ich dabei gesehen habe
Unser Verbrauch war über die Jahre erstaunlich konstant: zwischen 2.780 und 2.950 Kilowattstunden für zwei Personen im Altbau. Was nicht konstant war, war der Arbeitspreis. Der ist zwischen 2019 und 2024 von knapp 26 auf über 41 Cent geklettert, ohne dass ich je etwas dazu unterschrieben hätte. Bei einem Grundversorgungstarif ist das völlig legal — der Versorger muss die Änderung nur ankündigen, und das tut er in einem Brief, der aussieht wie Werbung.
Ich hatte diese Briefe bekommen. Ich habe sie nur nie gelesen.
Die Rechnung, die mich überzeugt hat
Bei 2.900 Kilowattstunden im Jahr macht ein Unterschied von 8 Cent pro Kilowattstunde 232 Euro. Pro Jahr. Das ist kein Betrag, über den man diskutiert — das ist ein Wochenendurlaub oder der halbe Winterreifensatz. Ich habe an dem Abend drei Anbieter verglichen und mir die zwei mit den besten Konditionen notiert.
Was mich beim Wechsel überrascht hat
Ehrlich gesagt: wie unspektakulär das war. Ich hatte im Kopf, dass so ein Wechsel kompliziert ist, dass irgendwann der Strom weg sein könnte oder ein Techniker kommen muss. Nichts davon stimmt. Der neue Anbieter kündigt beim alten, ich habe drei Wochen später eine Bestätigung bekommen und am Umstellungstag den Zählerstand fotografiert und online eingetragen. Das war alles. Die Steckdose weiß nicht, wer sie beliefert.
Was tatsächlich Aufmerksamkeit braucht, ist das, was vor dem Wechsel steht: die Frage, ob man noch in einer Mindestvertragslaufzeit steckt, und die Kündigungsfrist. Bei mir war beides unkritisch, weil die Grundversorgung eine Frist von zwei Wochen hat. Bei einem Laufzeitvertrag hätte ich mich vertun können — dazu habe ich später einen eigenen Beitrag geschrieben.
Was davon geblieben ist
Ich habe mir einen Termin in den Kalender gelegt, jedes Jahr im Januar: Zählerstand notieren, Arbeitspreis nachschauen, kurz gegenrechnen. Das dauert zwanzig Minuten. Der eine Abend im März 2024 hat uns im ersten Jahr rund 260 Euro gebracht, und das nicht, weil ich besonders schlau verhandelt hätte, sondern weil ich zwölf Jahre lang gar nichts getan hatte.
Das ist, glaube ich, die unangenehmste Erkenntnis an der ganzen Sache. Nicht der Anbieter war das Problem. Ich war es.