Die Kupplung machte Geräusche. Ich habe zwei Kostenvoranschläge eingeholt, weil ich gelesen hatte, dass das etwas bringt. Es hat etwas gebracht, aber anders als gedacht.
Die beiden Angebote
Vertragswerkstatt: 1.340 Euro. Freie Werkstatt im Nachbarort: 960 Euro. Auf den ersten Blick eine einfache Entscheidung.
Beim genaueren Lesen war der Unterschied nicht der Stundensatz, sondern die veranschlagte Arbeitszeit. Die Vertragswerkstatt rechnete mit 4,6 Arbeitswerten, die freie mit 3,8 — und mit einem anderen Ersatzteil.
Die drei Zeilen, auf die es ankommt
- Stundensatz. Steht meistens klein am Ende. Zwischen Vertrags- und freier Werkstatt liegen hier oft 30 bis 50 Prozent.
- Arbeitswerte oder Stunden. Die Vorgabezeiten stammen aus Herstellertabellen. Wenn zwei Angebote hier deutlich abweichen, ist meistens ein unterschiedlicher Arbeitsumfang gemeint — zum Beispiel, ob das Ausrücklager gleich mitgetauscht wird.
- Teilequalität. Originalteil, Identteil vom selben Zulieferer ohne Herstellerlogo, oder freies Ersatzteil. Der Preisunterschied ist erheblich, die Qualität bei Identteilen praktisch gleich.
Was ich gefragt habe
Ich bin mit beiden Angeboten zur freien Werkstatt gegangen und habe gefragt, warum die Zeit niedriger liegt und was passiert, wenn beim Ausbau auffällt, dass mehr nötig ist. Die Antwort war gut: Sie tauschen das Ausrücklager grundsätzlich mit, es war nur im Teilepreis enthalten statt separat aufgeführt. Und wenn mehr nötig sei, rufen sie an, bevor sie weitermachen.
Diese letzte Zusage habe ich mir auf den Auftrag schreiben lassen: Arbeiten über den Kostenvoranschlag hinaus nur nach Rücksprache. Ein Kostenvoranschlag ist rechtlich unverbindlich, eine Überschreitung von bis zu etwa 15 bis 20 Prozent gilt als hinnehmbar. Mit dem Satz auf dem Auftrag ist die Diskussion vorher geführt.
Was es am Ende gekostet hat
982 Euro. Die 22 Euro über dem Voranschlag waren Kleinteile und Entsorgung, das ist in Ordnung.
Was ich mir gemerkt habe
Bei größeren Reparaturen immer zwei Angebote, und nicht die Endsumme vergleichen, sondern die drei Zeilen. Bei einem Ölwechsel lohnt der Aufwand nicht. Ab etwa 500 Euro schon — und der Anruf für einen zweiten Kostenvoranschlag dauert fünf Minuten.
Und: Die Garantie oder Kulanz beim Hersteller ist ein Argument für die Vertragswerkstatt, solange das Fahrzeug jung genug ist. Bei einem vier Jahre alten Auto mit Anschlussgarantie hätte ich anders entschieden.