Hausratversicherung: Die Unterversicherung, die mir niemand erklärt hat

Veröffentlicht am 7 Oktober 2025 von Wolfgang Steck in Versicherungen · 2 Min. Lesezeit

Unsere Hausratversicherung lief seit dem Einzug unverändert. Versicherungssumme: 48.000 Euro, festgelegt 2011 von einem Vertreter, der einmal durch die Wohnung gegangen ist. Ich habe die Zahl seitdem nie hinterfragt.

Wie Unterversicherung funktioniert

Das ist der Punkt, der mich beim Nachlesen wirklich überrascht hat. Wenn die vereinbarte Summe unter dem tatsächlichen Wert des Hausrats liegt, kürzt der Versicherer jeden Schaden anteilig — auch kleine.

Ein Beispiel: Der tatsächliche Wert liegt bei 60.000 Euro, versichert sind 48.000. Das sind 80 Prozent. Bei einem Wasserschaden über 5.000 Euro bekomme ich dann nicht 5.000, sondern 4.000. Nicht, weil der Schaden strittig wäre, sondern rein rechnerisch.

Ich hatte immer gedacht, die Versicherungssumme sei eine Obergrenze — dass ich also bis 48.000 Euro voll abgesichert bin. Das ist falsch.

Wie ich den Wert überhaupt geschätzt habe

Es gibt eine Faustformel: 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei unseren 118 Quadratmetern wären das rund 76.700 Euro. Die Formel ist grob, hat aber einen praktischen Vorteil: Wer sie im Vertrag vereinbart, bekommt in der Regel einen Unterversicherungsverzicht. Der Versicherer verzichtet dann darauf, im Schadensfall nachzurechnen.

Zur Gegenprobe habe ich einen Nachmittag lang mit einer Tabelle durch die Räume geräumt und Wiederbeschaffungswerte geschätzt — nicht was die Dinge wert sind, sondern was es kostet, sie heute neu zu kaufen. Ich kam auf gut 71.000 Euro und war ehrlich erschrocken. Die Küche allein, 2019 eingebaut, schlägt mit über 14.000 zu Buche.

Was ich geändert habe

Ich habe die Summe auf 76.700 Euro angehoben und den Unterversicherungsverzicht in den Vertrag nehmen lassen. Der Beitrag ist dadurch um etwa 40 Euro im Jahr gestiegen. Gemessen an einer möglichen Kürzung von 20 Prozent auf jeden Schaden ist das nicht diskutabel.

Die zweite Sache, die ich dabei gefunden habe

Fahrraddiebstahl war in unserem alten Vertrag nur bei Einbruch in verschlossene Räume gedeckt. Das Rad meiner Frau steht aber im Sommer oft angeschlossen am Bahnhof. Diesen Baustein gibt es separat, gedeckelt auf einen Prozentsatz der Versicherungssumme. Auch das habe ich ergänzt.

Der ganze Vorgang hat einen Nachmittag gekostet. Vier Jahre früher wäre besser gewesen.

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